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Samstag, 7. März 2015

Interessant wird es erst, wenn das Warenlager, das den Investoren als Sicherheit angedient wurde, massiv unter Schwund leidet.

Bei Ober-Ramstädter Firma fehlt tonnenweise Kupfer

Problematische Absicherung der Mittelstandsanleihe

Mehrere Tonnen kann eine solche Kabelrolle wiegen, die hier ein Stapler bei der Penell GmbH auf die Gabel genommen hat. Jetzt fehlen plötzlich einige hundert Tonnen Kupfer.  Archivfoto: André Hirtz
Der Ober-Ramstädter Elektro-Großhändler Penell ist ein Familienunternehmen, wie es hierzulande viele Tausende gibt. Auch die Begebung einer Unternehmensanleihe ist heutzutage nicht ungewöhnlich. Interessant wird es erst, wenn das Warenlager, das den Investoren als Sicherheit angedient wurde, massiv unter Schwund leidet.
OBER-RAMSTADT.
Kupfer ist als relativ weiches Metall gut formbar und zäh. Als hervorragender Wärme- und Stromleiter findet es vielseitige Verwendung. Darüber hinaus zählt es auch zur Gruppe der Münzmetalle. Entsprechend begehrt ist Cuprum, so die lateinische Bezeichnung, selbstredend bei Langfingern. Die Deutsche Bahn weiß ein garstig Lied davon zu singen. Aber manchmal verschwindet Kupfer offenbar einfach auch so – wie bei Penell.
Schlamperei, grobe Verletzung der Informationspflichten, ein Wirtschaftskrimi, dunkle Machenschaften? Die neue Panne am Mini-Bondmarkt schadet alternativen Finanzierungsmöglichkeiten des Mittelstandes jedenfalls nachhaltig.
In der Ober-Ramstädter Bahnhofstraße sieht man Kabeltrommeln ohne Ende und Kupferkabel. Aber offenbar weniger, als angenommen. Bei einer vom Treuhändler verfügten Zwischeninventur taten sich große Lücken auf. Denn bei der erneuten Überprüfung der Lagerbestände wurde festgestellt, dass die Angaben im Wertpapierprospekt der Mitte des Jahres begebenen Unternehmensanleihe nicht der Realität entsprechen. Mitte Mai gab Penell auf Basis eines Kupferpreises von 5068 Euro je Tonne den Wert des Kupfers im Warenlager mit 7,3 Millionen Euro an. Aktuell liegt der Preis bei 5225 Euro. Zwischenzeitlich waren 5,5 Millionen Warenwert genannt worden, aktuell nur noch rund 2,5 Millionen Euro vor wenigen Tagen. Das würde nur noch einem Drittel der ursprünglichen Menge entsprechen, mehrere hundert Tonnen hätten sich also in Luft aufgelöst. Erklärungen dafür gibt es vom Unternehmen bislang nicht. Man arbeite intensiv an der Aufklärung; Diebstahl wird weitgehend ausgeschlossen. Offenbar gibt es Probleme bei der Verbuchung von Warenein- und ausgang.
Direkt wollten sich Inhaber Kurt Penell und Geschäftsführer-Kollege Reinhard Halbgewachs gestern zu den Vorfällen gegenüber dem ECHO nicht äußern. Das übernahm ein Sprecher. Danach wird eine Gläubigerversammlung einberufen Ende Januar/Anfang Februar, auf der man mitteilen will, was schiefgelaufen ist. Zudem wird dann ein „angemessenes“ Nachbesserungskonzept vorgelegt. Welche Sicherheiten statt des fehlenden Kupfers den Zeichnern der Anleihe über fünf Millionen – voll platziert, – angeboten werden sollen, stehe noch nicht fest. Das Emissionsrating B+ von Feri jedenfalls war von Anfang an nicht unbedingt ein Qualitätssiegel.
Die im Freiverkehr der Börse Düsseldorf gelistete Penell-Anleihe war bei einer Laufzeit von fünf Jahren mit einer jährlichen Verzinsung von 7,75 Prozent angeboten worden. Ihr Wert hat sich in den vergangenen zwei Wochen auf 50 Euro halbiert.
Der Emissionserlös sollte neben dem Abbau von 2,2 Millionen an Bankverbindlichkeiten zur Finanzierung des Working Capital und der Verbesserung der Einkaufskonditionen genutzt werden. Letzteres bringe durch Skaleneffekte und Skonti allein 750 000 Euro an Ersparnis, hieß es seinerzeit. Aber warum überhaupt die Anleihe? Man werde bei fast allen großen Infrastrukturprojekten im Tunnel-, Tief- und Hochbau angefragt, müsse aber teilweise ablehnen, weil eine Vorfinanzierung und rasche Reaktion nicht gegeben sind. Denn die Hausbank habe zuletzt die Expansion nicht mehr begleiten können, weil Kredite durch Basel III über mehr Eigenkapital abgesichert werden müssen; dafür sei Penell zu groß geworden, sagte der Firmenchef beim „Unternehmen im Gespräch“ (Erscheinungsdatum 17. Mai 2014).
Finanzmarktaufsicht in Luxemburg gibt Okay
Deshalb, so Penell, habe man nach Alternativen gesucht und sich letztlich für eine Anleihe entschieden. Neben der attraktiven Rendite im aktuellen Niedrigzinsumfeld war die Anleihe durch ihr Sicherungskonzept als besonders interessant dargestellt worden: Hochwertige Kupferkabel, streng kontrolliert, aufgrund der hohen Nachfrage nach dem Metall schnell liquidierbar. Der Wertpapierprospekt war von der luxemburgerischen Finanzmarkt-Aufsichtsbehörde CSSF gebilligt und von der Bafin notifiziert worden. Die Stückelung lag bei 1000 Euro.
Eigner Kurt Penell, der sein 1981 gegründetes Unternehmen als verkapptes Ingenieurbüro mit angeschlossenem Elektro-Großhandel ansieht, hat sich kompromisslos der Qualität verschrieben – und Wachstum. Zuletzt wurden mit 30 Beschäftigten im Geschäftsjahr 2013/14 (31. März) 18,3 Millionen Euro umgesetzt (minus 14 Prozent) bei einem Vorsteuergewinn von 37 000 (66 000) Euro, wie das „Finance Magazin“ meldet. Die Eigenkapitalquote betrug 27 Prozent, hat sich aber durch die veränderten Lagerbestände in Luft aufgelöst. Ziel ist es, bis 2019 rund 35 Millionen Umsatz zu erzielen, das Volumen zu verdoppeln. Dass Großkunden aufgrund der Vorkommnisse kalte Füße bekommen hätten, verneinte der Sprecher. Man darf gespannt sein, welche Fakten zutage gefördert werden. Auf alle Fälle hat Penell jetzt eine Art von PR, die man lieber nicht gehabt hätte.

  • 22. Dezember 2014
  • Von Achim Preu

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